Sozialer Selbstmord im StudiVZ

Mein sozialer „Selbstmord“ im StudiVZ ging schneller und einfacher als ich gedacht hatte.

Da StudiVZ begleitete mich nun seit dem Studium. Damals wat es das einzig große Netzwerk, über das man sich mit seinen Freunden und Bekannten austauschen konnte. Bilder wurden einander gezeigt, ein paar kleine Nachrichten auf die Pinnwand geschrieben und Freunde angehäuft. Wer die meisten hatte, war der wichtigste.

Dabei blieb es aber auch – viele Jahre lang. Ich kam weiter in der Welt herum, fand Bekannte und Freunde in den abgelegensten Ländern dieser Erde und wollte natürlich auch mit Ihnen in Kontakt bleiben. Facebook war international anerkannt und etabliert. Ich schloss mich also diesem Netzwerk an und lernet es sehr schnell lieben und nutzen.
Das ehemals täglich besuchte VZ geriet immer mehr ins Hintertreffen und ich schaute nur noch alle paar Monate vorbei um zu sehen, ob es ein paar Neuigkeiten bei meinen Freunden gibt. Die Bilder meiner Geschwister waren dabei das interessanteste.

StudiVZ Profil

Irgendwann kam die Frage auf, warum ich hier überhaupt noch angemeldet bin. Alle Daten über mich wurden gelöscht und ein Hinweis auf mein facebook-Profil hinterlassen. Wer etwas über mich wissen, mich kontaktieren oder mit mir chatten wollte, sollte dort hin gehen.

Die Zeit verging und immer mehr meiner StudiVZ-Kontakte fanden sich bei facebook ein, bis es letztendlich knapp die Hälfte war. Da StudiVZ war nutzlos.
Heute habe ich endlich den letzten Schritt vollzogen, meinen Kontakten eine Abschiedsmail geschrieben und mein Account gelöscht. Mich gibt es ab jetzt nicht mehr offiziell im StudiVZ und ich bereue es nicht. Auf facebook gab es positive Zusprüche und ansonsten kamen auch noch keine Hassmails an.

Warum es sich allerdings soweit entwickelt hat, liegt an der Plattform selbst. Man kann dort einfach nichts machen. Das VZ betitelt sich zwar als Social Network und ist es auch, nur wird mir das Wort „social“ in der aktuellen Version viel zu sehr vernachlässigt.

Nehmen wir die Gruppen. Man tritt ihnen bei um etwas über seinen Charakter preiszugeben und sich damit zu identifizieren. Nur eine Diskussion kommt in den einzelnen Gruppen wohl kaum auf – ich habe zumindest keine mitbekommen. Sollte dann doch mal etwas geschrieben werden, gibt es eine eMail-Benachrichtigung. Zeitgemäß ist anders.

Bilder kann man zwar seinen Freunden zeigen und Personen darauf vertaggen aber kommentieren geht meines Wissens nach nicht. (bin mir da aber auch nicht sicher, da ich es eh nicht genutzt habe)
Was bleibt dann noch? Es gibt die Pinnwand die mit Spam überladen wird. Eine richtige Konversation kann darüber nicht stattfinden. Wenn ich jemanden eine Nachricht schreiben möchte, kann ich auch den normalen Weg einer eMail oder einen anderen Messenger nutzen.

Der Mehrwert beim VZ ist für mich verloren gegangen. Die Entwicklung der Seite liegt einfach zu weit hinter der Zeit und facebook wird intuitiver, nützlicher, kommunikativer und verbreitet sich in Deutschland auch unter Personen sehr schnell, die nicht unbedingt sehr onlineaffin sind. Die Einführung des Buschfunks (einer Art News-Stream meiner Freunde) und die Verknüpfung dessen mit Twitter hat an der aktuellen Entwicklung auch nicht mehr viel verändern können.

Mein Fazit und der Hauptgrund meines Austritts: Das StudiVZ ist eine Sammel- und keine Kommunikationsplattform. Sie hat für mich daher keinen Mehrwert und man muss nicht unbedingt Mitglied sein.

Seid ihr noch im VZ und warum?

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7 Antworten zu “Sozialer Selbstmord im StudiVZ”

  1. Anonymous 1. Januar 1970 am 01:00 #
  2. Alexander von Halem 7. Dezember 2009 am 00:00 #

    Ich war noch nie bei einem der VZ Portale und werde das auch nicht anfangen.

  3. Jan Girlich 7. Dezember 2009 am 00:00 #

    @Benjamin Mussler: Falls es noch niemand gesagt hat, zum Thema Selbstmord: "Neeeeeeeeeeeeeeeeeein, tu es nicht!" ;)

  4. Jannes Riemann 7. Dezember 2009 am 00:00 #

    Ich glaube die Zielgruppe ist einfach deutlich jünger. StudiVZ scheint einfacher. Aber das Ding ist einfach vielzu schwerfällig und man vergeudet letzendlich mehr Zeit, weil man unstrukturiert viele Informationen aufnehmen kann. Und der Chat ist schlecht programmiert und funktioniert manchmal nicht. Ich frage mich echt, was die Leute be StudiVZ den ganzen Tag so machen. Dennoch sind noch viele eher heimatverbundene Studenten dort, also die, die eher wenige Kontakte im Ausland haben. Der Account hat also bei mir noch Existenzberechtigung.

  5. Ann-Kathrin Pankow 7. Dezember 2009 am 00:00 #

    Ich spiele manchmal auch mit dem Gedanken, aber habe einfach noch viel zu viele Leute dort, die kein fb haben und insofern ist er noch "notwendig". Finde es aber ätzend immer so viele "Profile" zu checken, wenn man im Internet ist. Kaum bist Du von StudiVZ weg, gibt es dort die "Apps"-Funktion – keine Ahnung, ob es funktioniert bzw. was dort genau zu finden ist, aber viel verpasst haben, wirst Du wohl nicht.

  6. fipsen 6. Januar 2010 am 12:29 #

    hm, facebook ist doch doch studivz in grün. ich verstehe nicht so ganz, warum man sich bei dem einem abmeldet und bei dem anderen anmeldet? ist für mich nicht ganz konsequent….

    • Benjamin 6. Januar 2010 am 15:03 #

      Es geht eher darum, dass man auf verschiedenen Netzwerken mit den gleichen Leuten in Kontakt ist. Sprich die Kontakte die ich im StudiVZ habe, habe ich auch im Facebook. Daher stand für mich die Frage im Raum, warum ich dann nicht nur noch eines nutze anstatt beide parallel zu pflegen.
      Da Facebook für mich mehr Möglichkeiten bietet und international aufgestellt ist war es klar, dass dieses Netzwerk bevorzugt wird. StudiVZ hat daher für mich ausgedient

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