Lokale Presse in Bedrängnis?

Lokale Presse in Bedrängnis?

Als lokale Zeitung eines weit gestreuten Landkreises mit vielen Ortschaften und noch mehr Vereinen und Organisationen hat man es nicht einfach, jedem die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen. Einiges Themen fallen dabei zwangsläufig unter den Tisch auch wenn sie wichtig erscheinen. Diese Thematik hatte Alexander Stengelin bereits vor einigen Monaten angesprochen und jetzt gehandelt. Zusammen mit Benjamin Bach riefen sie die Online-Plattform lokalteil.de ins Leben:

“Auf dieser Plattform werden wir in erster Linie Pressemitteilungen von Vereinen, Organisationen und anderen Einrichtungen veröffentlichen. Dabei geht es nicht darum möglichst viele Berichte zu verschiedenen Themen aus dem ganzen Land zusammen zu tragen, sondern den Organisationen aus der Kernstadt Tuttlingen mit seinen Ortsteilen Möhringen, Nendingen und Esslingen gehör zu verschaffen.”

Beim Start am Dienstag war der Zuspruch der Plattform bereits sehr groß und sie konnten am ersten Tag über 300 Zugriffe verbuchen. Allerdings wurden auch Stimmen wach, die das neue Portal negativ betrachteten. Entsprechende Personen äußerten ihr Bedenken auf der Facebook Fanseite von lokalteil.de, dass gerade politische Meldungen befangen sein könnten, da Benjamin Bach Mitglied der lokalen CDU ist.

Diese Bedenken können wir nicht bestätigen. Auch wenn Benjamin bei der CDU ist, hat jede andere Partei das Recht seine eigenen Berichte veröffentlichen zu dürfen, sofern sie den allgemein gültigen Richtlinien entsprechen (keine Rassismus etc.). Die Mitteilungen werden ansonsten weder zensiert noch vorenthalten. Die Plattform soll durch die Berichte und die dadurch entstehenden Diskussionen leben und die Tuttlinger in erster Linie informieren aber auch zu mehr Mitdenken aufrufen.”

Die ansässigen Unternehmen, Vereine und Organisationen können also auf lokalteil.de ihre Meldungen veröffentlichen lasse und die Einwohner auf einem schnellen und unkomplizierten Weg informieren. Da stellt sich natürlich die Frage, wie ein Portal, das ausschließlich aus Pressemeldungen besteht, bestehen kann?

“Die Pressemeldungen sind ein erster Schritt um langfristige Qualität und Konsistenz zu bieten. Viele der Meldungen, die aufwendig geschrieben werden, verschwinden in den Archiven oder sogar direkt im Papierkorb der Zeitungsredaktionen. Lokalteil.de bietet hier den Vorteil, dass die Meldungen zumindest eine kleine Gruppe von Lesern erreicht – das ist immer noch besser als gar nicht gelesen zu werden. Im zweiten Schritt können wir uns gut vorstellen, Autoren Zugang zur Plattform zu gewähren, die eigene Artikel zu bestimmten Themen veröffentlichen. Gerade diese Artikel sind das Interessante, was einer Tageszeitung fehlt, da sie die Sicht der Bürger wiedergeben und Diskussionen anregen.”

Im Prinzip ist lokalteil.de eine Konkurrenz zur lokalen Tageszeitung und deren Onlineportal. Wird die Plattform einmal eine so große Reichweite erreichen, wie z.B. der regionale Teil von szon.de?

“Wir freuen uns natürlich, wenn es soweit kommen wird. Allerdings verfolgen wir einen anderen Ansatz als das publizieren von Printartikeln im Netz. Uns geht es darum einen Mehrwert in Form lokalen News in den verschiedensten Branchen- und Themenbereichen zu bieten. Damit grenzen wir uns auch eindeutig von der Tageszeitung ab, die nicht unbedingt die Ressourcen hat, alle Themen redaktionell aufzuarbeiten und mit einer solchen Vielfalt online zu stellen. Konkurrenz würde ich daher (noch) nicht sagen. Wir sind eine Ergänzung, die erst einmal angenommen werden muss.”

Sollte lokalteil.de von den Tuttlingern angenommen werden – und davon gehe ich aus – ist es sicher ein Projekt, dass Schule machen kann. Lokale Nachrichten sind ein weiterer wichtiger Faktor in der immer mobiler werdenden Onlinewelt. Alles was mit lokalen Einträgen zu tun hat wird im Moment stark gehypt bzw. genutzt. So haben es Facebook mit seinen Deals und Places, Google mit mit seinen Brancheneinträgen oder auch die Bewertungen auf Qype einfach, lokales und relevantes Publikum zu finden. Die Nachrichten, die bis jetzt in der Tonne gelandet sind, dienen hier nur zur qualitativen Ergänzung.

Dass dieses Model kein schlechtes ist, beweist u.a. das Hamburger Abendblatt. Die Hanseaten haben ebenfalls diese Woche ihre lokalen Stadtteil-Blogs gelauncht auf denen verschiedene Personen über das aktuelle Geschehen schreiben. Die Richtung stimmt also und lokalteil.de wird, mit der richtigen Umsetzung und richtigem Inhalt auf jeden Fall ein sehr gutes Instrument um sich über das Geschehen in Tuttlingen zu informieren – in diesem Fall auch für ehemalige Mitbürger wie mich.

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