Das Zeitungsgeschäft in Ghana
Ghanaer lesen in der Regel nicht!
Diese Aussage erst einmal vorweg gestellt, will ich heute über meine derzeitige Arbeit schreiben. Ich bin gerade bei der einzigen Sonntagszeitung in Ghana und dort der Einzige, der weiss, wie man mit einem Layoutprogramm umgeht. Meine Aufgabe ist daher eher etwas langweilig und zeitaufwendig, da die Arbeitsweise der Ghanaer denen der Südamerikaner sehr ähnelt. Sie lassen sich zeit bei allem was sie machen.
Zuerst möchte ich aber ein paar Worte über den generellen Zeitungsmarkt in Ghana verlieren. Wie schon erwähnt, Ghanaer lesen für gewöhnlich gar nicht. Das macht es auch umso schwerer eine Zeitung zu verkaufen.
In diesem Land gibt es ca. 12 Zeitungen die täglich und nur eine, die wöchentlich herausgebracht werden. Die Qualität der einzelnen Zeitungen ähneln sich sehr. Lange und tiefgründige Artikel werden nur von den obersten Schichten der Gesellschaft bevorzugt. Diese bekommen sie dann aus der Amerikanischen oder Englischen Presse. Die Zielgruppe, der Manager und Politiker ist dadurch sehr schnell abgedeckt.
Der Rest möchte auf BILD-Niveau informiert werden. Kurze Artikel, grosse und bunte Bilder reichen völlig aus um das wenige Interesse zu wecken.
Dieses Problem stellt natürlich auch „Sunday World“, die Sonntagszeitung, vor die Frage wie man mehr Leser bekommt. Derzeit sind sie dabei, eine gehobenere Zielgruppe anzusprechen und die Zeitung auf diese Auszurichten. Diese Neuausrichtung bringt wiederum ein weiteres Problem mit sich, das die Arbeitsweise der Zeitung sehr gut beschreibt.
Gute Artikel sind der einzig wahre Grund, der einen dazu veranlasst, eine Zeitung zu verkaufen. Sind die Texte schlecht, leidet er Verkauf.
In der Redaktion sind wir gerade vor das Problem gestellt, dass die beste Autorin ihr Auslandspraktikum beendet hat und wieder nach Südafrika gegangen ist. Neben ihr gibt es noch zwei Weitere, die sich die Arbeit nun teilen müssen. Eine Aufgabe, die schlichtweg unmöglich ist, denn 35 Seiten benötigen eine ganze Menge Artikel.
Ein Lösungsansatz ist schnell gefunden und wird ebenfalls seit einer Weile erfolgreich Praktiziert. Man mimt den Chinesen. Artikel der New York Times, von BBC oder anderen englischsprachigen Newsredaktionen werden einfach kopiert und in die aktuelle Ausgabe eingebracht. So füllt sich das Blatt mit kurzen, qualitativ guten und englischen Artikeln. Das Problem der wenigen Redakteure ist gelöst.
Kopieren ist auch in einem anderen Bereich sehr angesagt. Bilder, ohne Bilder geht überhaupt nichts. Es gibt genau einen Fotografen, der auf allen lokalen Terminen unterwegs ist. Seine Bilder sind gut und erfüllen die technischen Voraussetzungen um gedruckt zu werden. Aber was macht man jetzt, wenn man gerne ein Bild der Olympiade drucken möchte? Ein klick und Google spuckt in der Regel das passende Bild aus. Die Qualität lässt zu wünschen übrig aber immerhin gibt es ein passendes Foto.
In Deutschland würde man jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die Frage nach dem Copyright stellen. An so etwas wird hier bei den Fotos gar nicht gedacht. Die Artikel werden gekennzeichnet aber die Fotos komplett vernachlässigt. Es ist ja schließlich „frei“ im Internet verfügbar, warum sollte man das dann erwähnen, woher die Fotos stammen.
Man kann also sagen, die Zeitung ist zu 90 Prozent kopiert.
Ein weiteres und letztes Problem das die Zeitung mit sich bringt ist die Tatsache, dass es eine Sonntagszeitung ist. In Deutschland sollte das kein grosses Hindernis darstellen.
Hier muss man aber mehr auf die Kultur des Landes achten um zu verstehen, warum das so ist. Der Sonntag ist der heilige Tage. Jeder geht in die Kirche und verbringt den Tag mit der Familie und Freunden. Es wird sehr viel gemeinsam unternommen. Gearbeitet wird in der Regel nicht. Sonntag, ist wie es bei uns früher auch mal war, komplett nur für die Familie vorgesehen. Dadurch geht auch kaum einer auf die Strasse um etwas an den vielen Ständen einzukaufen, geschweige denn um sich über das Geschehen in der Welt zu informieren.
Ihr seht also, diese Zeitung ist kein einfaches Gut. Wir sind aber dabei alles zu optimieren und versuchen die Qualität der Inhalte zu steigern und die Distribution zu verbessern.
Darüber aber mehr in einem nächsten Bericht, wenn das Projekt weiter vorangeschritten ist.
Hier >> gibt es noch ein paar Bilder aus der Redaktion. Wie ihr seht ist dort immer etwas mehr los. Leute kommen und gehen, zwei Fernseher laufen auf voller Lautstärke und ein Radio beschallt einen den ganzen Tag. Die Stimmung ist dagegen immer super und es wird ständig gelacht, Späße gemacht und der Tag genossen.
Und wen es wirklich interessiert, wie meine Arbeit als Endprodukt aussieht, kann sich hier >> die neuste Ausgabe der “Sunday World” als PDF herunterladen.
Warum sollte man es auch anders machen, wenn Ghanaer eh nicht lesen?