Bergfest und Zwischenfazit

Genau drei Monate ist es her, dass ich in Frankfurt in den Flieger gestiegen bin um meine Reise in ein Land anzutreten, dass ich nicht kannte und mir bis dahin auch überhaupt nichts darunter vorstellen konnte. Nach einem wahrhaftig interessanten Flug wurde ich in Ghana sehr freundlich aufgenommen und erst einmal mit einer fremden Kultur konfrontiert. Eine der ersten Fragen war, wie ich die Ghanaischen Mädchen finden würde. Total übermüdet und bei völliger Dunkelheit viel meine Antwort nicht zur vollen Zufriedenheit aus. Machte aber auch nichts, denn ich bekam genug Zeit alles zu erkunden und dann die „richtige“ Antwort zu geben. Eine weitere Interessante Erfahrung nach meiner Ankunft war ein Plastikbeutel, der mir kommentarlos in die Hand gedrückt wurde. Auf meine Frage was es denn sei, hieß es nur: „Wasser, was sonst?“ Aha, hier trinkt man Wasser also nicht aus der Leitung (was klar ist) oder aus Flaschen (was zu teuer ist). Man hat Plastikbeutel, die einen halben Liter fassen. Ein Ecke aufgebissen und schon fließ das kühle Nass in den Mund. Hat man allerdings nicht viel Durst solle man davon ablassen oder den Rest wegschütten, verschließen kann man sie logischerweise nicht. Die Tüte wird am Ende ganz selbstverständlich auf die Straße geschmissen. Nach meiner ersten Nacht zusammen mit mehreren Leuten in einem Zimmer bin auch ich in Ghana angekommen. Das ist also das Land, in dem ich das nächste Jahr leben werde.

Nach einer sehr kurzen Zeit habe auch ich realisiert, dass das Land super ist. Man kann es mit keinem anderen vergleichen in dem ich bis jetzt war. Die Menschen sind sehr freundlich und offen. Sie wollen alle Naselang wissen woher man kommt, was man macht und vor allem wissen, wie es einem gefällt. Und auch hier die sporadische Frage, was man denn von den Frauen halten würde.
Man lernt sehr schnell sehr viele Leute kennen und so hat sich mein Freundeskreis in Ghana recht schnell vergrößert. Das gibt einem eine gewisse Sicherheit, dass kein Wochenende langweilig sein wird. Anfangs lebte ich in einem Haus mit dem seltsamen Namen „Oboruni House“. Oboruni steht für „Weißer Mann“ und symbolisiert Reichtum. Daher wird man auch jederzeit auf der Straße angesprochen ob man nicht etwas Geld für jemanden hätte, ihm ein Flugticket oder ein Auto kaufen möchte oder aber nicht sogar seine Frau haben will. Eine weiße Hautfarbe hebt einen hier schon ziemlich vom Rest ab, leider nicht nur optisch. Dementsprechend wird man auch öfters mal über den Tisch gezogen in dem einem ein höherer Preis berechnet wird. Auch damit lernt man umzugehen und richtig zu verhandeln.

Nicht nur die Menschen selbst, sondern auch die Landschaft ist unbeschreiblich. Anfangs konnte ich nicht so viel besichtigen, da ich sehr eingespannt war. In den letzten Wochen hatte sich das aber geändert und ich war immerhin entlang der Küste schon etwas unterwegs. So ergaben sich die Chancen wie ein WM Qualifikationsspiel am Spielfeldrand zu sehen, den Urwald zu erkunden oder einfach einen gemütlichen Tag an traumhaften Stränden zu verbringen.

Stellt euch mal vor, ihr seid auf dem Weg vom Mittagessen zurück zum Büro und eine Frau mit einem großen Teller auf dem Kopf, gefüllt mit Mangos, kommt euch entgegen. Man muss sie einfach nur ansprechen und schon bekommt man diese Frucht, die sich problemlos am Gaumen zerdrücken lässt, in Mundgerechte Stücke geschnitten. Der perfekte Nachtisch und das für knapp 30 Cent. Ein Traum.

Die Arbeit, eine sehr spezielle Erfahrung. Zu allererst, man muss warten lernen. Hier besteht so ziemlich alles aus warten, was einem Europäer der eher an durchorganisierte Arbeitsabläufe gewöhnt ist, nicht immer einfach fällt. Aber man gewöhnt sich auch daran.
Anfangs war meine Aufgabe in einem Bereich, der eigentlich nicht in meiner Jobdescription enthalten ist. Es hieß ich solle eine Sonntagszeitung designen, da die eigentliche Person krank ist. Die war allerdings so lange krank, dass ich zwei Monate auf dieser Position fest saß und nichts anderes machen konnte. Im nachhinein vermisse ich die Arbeit ein bisschen, denn im Redaktionsbüro ging es immer ganz lustig zu. Inzwischen bin ich damit beauftragt, die Online- und interne Kommunikation des Unternehmens aufzubauen bzw. zu verbessern. Die Aufgabe liegt mir schon mehr und ist auch ganz interessant, da man viel über das Onlineverhalten des Landes mitbekommt. Darüber habe ich z.B. auch rausgefunden, dass viele Leute das Wort Internet zwar kennen sich aber nichts darunter vorstellen können. Leider muss ich sagen, dass das auch schon alles ist, was ich hier lernen kann und die Auslastung mit Arbeit hat in der letzten Zeit sehr abgenommen, da neue Projekte, die man sich sucht, nicht unterstützt werden bzw. einfach auf sehr geringes Interesse stoßen. Ich wurde inzwischen in die Schublade geschoben, dass man mich für alle möglichen Design-Aufgaben hervorholt, wenn wieder Not am Mann ist. Das bringt mir nicht sonderlich viel.

Daher habe ich beschlossen das Praktikum zu verkürzen, zumal in Deutschland spannendere Aufgaben auf mich warten. So werde ich im Februar, nach einem halben Jahr in Ghana wieder zurück kommen.

Nichts desto trotz, ist es eine super Erfahrung und ein grandioses Abenteuer das jeden Tag neue Herausforderungen mit sich bringt. Ich genieße es und würde jedem empfehlen das Gleiche zu tun.

So viel zu meinem Zwischenfazit

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