Beförderung und das nach drei Wochen
„Hey Ben, du bekommt ab morgen zwei Schüler. Bring ihnen etwas Ordentliches bei und kümmere dich dann um andere Aufgaben“ Kurze Ansage, große Aufgabe.
Ich muss gestehen, das hat sich alles als schwieriger herausgestellt als ich Anfangs dachte. Fangen wir aber von vorne an.
Ich kam also am Mittwoch in die Redaktion mit dem Wissen, dass es meine vorerst letzte Woche mit Samstagsarbeit sein wird. Hoch motiviert, ausgeschlafen und gut gelaunt ging es dann auch an den Rechner. Das Warten auf Artikel machte überhaupt nichts und wenn es schon länger dauert kann man wenigsten die Olympischen Spiele verfolgen, die den ganzen Tag im TV laufen. Kurz später wurde mir Ben vorgestellt, der ab nun mein Schüler ist. Einer – Cedi – fehlte noch und kommt erst am Donnerstag. Auch geal, denn irgendwie scheint es ein sehr guter Tag zu werden. Es herrscht ein unbekannter Druck mit einer kleinen Spur Leichtigkeit in der Redaktion und es dauert nicht all zu lange bis die ersten 10 Seiten der Zeitung druckfertig sind. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist schon 9 Uhr Abends und es wird Zeit nach Hause zu gehen.
Ich bekommen einen kleinen Anflug von Hoffnung, dass die Deutsche Struktur, die ich seit zwei Wochen einzuführen versuche.
Der nächste Tag allerdings bestätigte mir das Gegenteil und ich lernte mal wieder eine ganz andere Seite der hiesigen Kultur kennen. Ghanaer diskutieren sehr gerne und lange über die unmöglichsten Themen und Begebenheiten.
Wir sind inzwischen zu dritt und die beiden „Schüler“ machen heute alles alleine. Von mir gibt es nur noch Ratschläge bzw. Unterstützung bei Fragen. Das Problem an der Sache ist, dass sie sich selber nicht wirklich einig sind, wie das Design einer Seite aussehen könnte. Und wenn sie mal angefangen haben zu diskutieren hören sie so schnell nicht wieder auf, auch wenn es nur um eine Schriftgröße von 40 oder 44 Punkt geht. In solchen Situationen könnte ich an die Decke gehen, zumal sie sich kurz vorher beschwert hatten, dass sie heute gerne pünktlich um sechs gehen wollten. Daraus wird mit so einer Arbeitseinstellung aber nichts. Dazu kommt noch, dass die Texte, die gestern schon da sein sollten, heute immer noch nicht da sind und wir das Vorhaben „fertige Zeitung“ um 10 abbrechen und drei weitere Seiten in die Druckerei bringen. Hoffentlich wird es am Freitag besser.
Mal wieder zu viel gehofft. Besser ist wohl eine Richtung die hier nicht eingeschlagen wird. Um es kurz zu machen, keine Texte, die beiden neuen Designer blicken es überhaupt nicht und lassen sich leider auch nichts sagen und ich hab einen tierischen Hunger. Samstag ist auch noch ein Tag und wir haben noch 8 Seiten vor uns.
Nun ist es also mal wieder Samstag und ich sitze in der Redaktion. Kleines Rätsel für euch, was mach ich wohl? Richtig, warten. Die beiden Jungs haben sich heute aber immerhin eingekriegt und glauben mir, was die Nutzung des Programms angeht. An dieser Stelle muss ich mal ein Danke an Gogo aussprechen, die mir vor langer langer zeit gezeigt hat, wie man das Programm richtig einsetzt. Quark XPress ist eben doch nicht ganz so einfach, wenn man es noch nie benutzt hat.
Ja, es geht voran und ich sitze immer noch hier, wir haben noch 5 Seiten und die werden einfach nicht fertig. Ich geh jetzt erst mal was Essen und dann schauen wir mal wie lange das heute noch dauert.
Es ist auf jeden Fall eine schöne Beförderung gewesen, denn ich kenne jetzt meine Aufgaben, die ich in der nächsten Woche zu erledigen habe. Es gab auch wieder etwas zu lernen, denn es ist überhaupt nicht einfach Ghanaer etwas beizubringen, von dem sie keine Ahnung haben, es aber nicht zugeben wollen. AISEC sei dank, dort hat man wenigsten die Möglichkeit solche Situationen schon vor einem eventuellen Ernstfall zu simulieren.
So viel für heute.