ART FOR EYE

Fußball

Veröffentlicht in Gedanken von Benjamin am 01. September 2009

Am Wochenende war ich mit der Firma auf einem Beach Soccer Turnier. Lustig war es, zumal wir uns nach dem ersten Spiel keine Niederlage mehr gönnten und als Neulinge auf dem Sand doch noch den Pokal holten. Voller Euphorie und Freude wurde der Sieg mit allen Unterstützern gefeiert. Am Rande machte ich ein paar Entdeckungen die mir zu denken gaben.

Erst einmal bin ich wirklich nicht eine Person, die Fußball abgöttisch liebt. Es geht eher in die entgegengesetzte Richtung. Schon in der Schule habe ich mich erfolgreich aus dem Team drücken können und mich für eine andere Sportart entschieden. Nie kam bei mir das Bedürfnis auf zu diesen Massen dazugehören zu müssen, wie sie Wochenende für Wochenende einem Team hinterher reisen und es bei seinem Taten anfeuert. Mir war der Sinn im Fußball nicht so wirklich klar. 22 Männer dreschen auf einen Ball ein. Es gibt auch schönere Sportarten.

Am Wochenende ertappte ich mich allerdings dabei wie ich haareraufend und brüllend am Spielfeldrad stand und meine Mitspieler anfeuerte. Ich feierte so stark mit als würde ich in diesem Augenblick selbst spielen. In dem Moment kam mir die Frage in den Sinn: “Warum machen Fußballfans so etwas?” Fans werden nie auf einem Bundesligarasen stehen und mit “ihrer” Mannschaft um den Sieg kämpfen, sich nie die Lunge aus dem Leib rennen beim Versuch als Erster am Tor anzukommen. Sie kennen die Spieler nur in den seltensten Fällen persönlich, werden aber auch nie irgendwelche privaten Dinge erfahren, die sie nicht von der Presse erzählt bekommen. Warum fiebern Fans also mit?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich jeder gerne mit etwas identifiziert, das er nicht sein kann. Etwas besserem, höherem oder reicherem. So werden die Fußballer Helden und rücken damit in die Vorbildfunktion vieler Männer. Ebenso kann es das Bedürfnis nach Nähe und Gruppenzusammenhalt sein, der die Männer zum Fußball treibt. Die Spiele geben einem Bestätigung dass man zu einer festen Gruppe gehört und ein gemeinsames Ziel hat – den Spielsieg durch möglichst laute Gesänge zu erzwingen und die Fans des Gegners in Grund und Boden zu brüllen. Das alles nur um zu zeigen, dass man besser ist als die Anderen.

Woher kommt das nun alles? Ich vermute mal, dass dieses Verhalten seinen Ursprung in der Steinzeit hat. Männer sind in Gruppen auf die Jagd gegangen und haben sich gegenseitig angespornt das Tier zu erlegen um die nächsten Tage etwas zu Essen zu haben. Wir müssen heute nicht mehr Jagen gehen um unser Essen zu sichern, auch leben wir nicht mehr in Gruppen zusammen (sieht man mal von einer Studenten-WG ab). Daher hat sich unser Instinkt und unser Verhalten gegen soziale Gefüge entwickelt und wir sind zu einer Art Einzelgänger geworden. Wäre diese Entwicklung noch ausgeprägter würden wir uns wahrscheinlich nur noch zum Paarungsakt zusammentun und das Leben in sozialer Abgeschiedenheit verbringen.
Glücklicherweise gibt es ja Fußball. Der Sport, der die Massen zusammenbringt und Männerherzen höher schlagen lässt. Man kann zusammen grölen, trinken und einem Ziel entgegenfiebern. Man hat eine gemeinsame Vision und sei es auch nur die, am anderen Morgen mit einem Kater aufzuwachen.

Kann man daher sagen, dass der Effekt, den man beim Fußball beobachten kann genetisch veranlagt ist? Gibt es sogar ein Fußball-Gen?

Ich fühlte mich am Wochenende auf jeden Fall sehr männlich, wie ich mit meinen Kollegen wild grölend am Spielfeldrand stand und mir die Haare raufte.



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