Malaria oder Lariam?
Liest man sich die Krankheitssymptome von Malaria auf Wikipedia durch, könnte man annehmen, dass es sich nur um eine etwas heftigere Grippe handelt. Etwas Schüttelfrost und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt kommen dazu und man kann davon ausgehen, dass man von der tropischen Krankheit infiziert wurde.
Auch ich wurde davon befallen bzw. nahmen wir ein immer wiederkehrendes Kopfweh zum Anlass Malariamedikamente zu nehmen. Da die Krankheit im Blut nicht immer nachweisbar ist schien es doch logisch etwas gegen die Symptome zu tun.
Nach einer Dosis Lariam ging es schon etwas besser und ich hatte durchaus das Gefühl, dass dieses Medikament etwas hilft. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne die bevorstehende Nacht und die auftretenden Nebenwirkungen gemacht. Diese Fallen nämlich viel heftiger aus als die Krankheit selbst (zumindest in meinem Fall).
Es ist schon ein recht komisches Gefühl und man könnte es sogar fast als Angst beschreiben, wenn man abends im Bett liegt, der Körper nach schlaf schreit das Hirn aber hell wach ist. Zur gleichen Zeit fängt eine Armee Buschmänner in der Magengegend an wie wild einen Kriegstanz aufzuführen bei dem sie laut und in unregelmäßigen Rhythmen Trommeln schlagen und um ein Feuer herumtanzen. Ein riesiger Truthahn, der eher wie eine Frau aussieht, streckt eine menschliche Hand aus einem riesen Loch in der Matratze und versucht dich in selbiges hinein zu ziehen. Du bist aber immer noch wach und hältst dich langsam für total verrückt, da du eigentlich noch klar denken kannst, diese Halluzinationen aber nicht abgeschaltet bekommst.
Irgendwie stellst du dann fest, dass sich das alles gar nicht in deinem eigenen Körper abspielt sonder eher in einem Körper der in deinem eigenen Steckt und dort ganz munter lebt. Es fühlt sich so an als wolle sich ein zweiter Kopf unterhalb deines Kinns aus dem Hals drücken und dann alle Buschmänner, die in seinem Magen wohnen herauslassen um ihnen die Schönheit der Afrikanischen Silvesternacht zu zeigen.
Ich verzichte an dieser Stelle auf noch detailliertere Beschreibungen da ich denke das oben geschriebene klingt schon verrückt genug. Ihr dürft gerne meine Freundin fragen wenn ihr es nicht glaubt, die Nacht war sicher auch für sie nicht so einfach. Ich hätte mich zumindest nicht gerne als Bettnachbar gehabt.
Mir geht es inzwischen wieder super und ich habe alles bestens überstanden. Wenn ihr also Lariam nehmen müsst, macht euch auf etwas Interessantes gefasst und hofft, dass ihr nicht alleine seid. Das macht die Sache einfacher zu überstehen.
Eine Schildkröte zum Geburtstag
Meeresschildkröten, mitunter die ältesten Tiere der Weltmeere. Diverse Reportagen und Bilder haben mir diese faszinierenden Tiere beschrieben und erklärt. Ich wollte sie nun auch mal in freier Wildbahn sehen, nicht immer nur im Zoo.
Nach dem ich bei unserem letzten Ausflug nach Ada Foa schon mal davon gehört hatte, dass man hier Schildkröten bei der Eiablage beobachten kann und wir damals leider nicht erfolgreich waren haben wir es jetzt in der „Saison“ noch einmal probiert. Und siehe da, es funktionierte.
Drei Stunden Marsch und 4 tote Schildkröten später sollten wir endlich Glück haben. Eine sehr auffällige Spur zog sich direkt aus der Brandung die Böschung hoch auf den Sand. Nach ein paar Minuten Suche fanden wie sie dann auch. Das 80 cm lange Tier war gerade dabei heftig mit Sand um sich zu schmeißen. Ein faszinierender Anblick wenn dieses dich recht schwere und behäbig wirkende Tier versucht ein Loch in den Sand zu schaufeln um seine Eier darin abzulegen. Ein Ei nach dem Anderen fiel in den warmen Sand um dort bis zum Schlüpfen zu ruhen. Hoffentlich.
Sex und seine Krankheiten
Ich wollte schon immer mal über das Thema Sex schreiben auch wenn es in Blogs eigentlich ein Tabuthema ist.
Ich bin ja gerade in Afrika und Afrika ist dafür bekannt, dass es eine sehr hohe AIDS-Rate hat. Das liegt, wie bei vielen sozialen Problemen an der Bildung. AIESEC hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegen zu wirken und ein spezielles Programm ins Leben gerufen.
ASK heißt das Programm und es sieht folgendermaßen aus:
Praktikanten aus der ganzen Welt kommen in eines der Afrikanischen Länder um an verschiedenen Schulen über HIV & AIDS zu unterrichten bzw. die Schüler über Geschlechtsverkehr und seine Folgen aufzuklären.
Die Schüler sind in der Regel zwischen 14 und 18 Jahre alt und haben im besten Falle schon mal was von Verhütung gehört. In der Regel wissen sie nicht einmal richtig wie der ganze Geschlechtsakt funktioniert und wie die Begriffe, die sie im TV aufschnappen in Wirklichkeit aussehen. Eigentlich eine erschreckende Tatsache.
Nun aber zurück zur Krankheit. Als das Thema Verhütung angesprochen wird, gibt es Schüler die der Meinung sind, dass eine Socke mit einem normalen Gummiband zur Befestigung völlig ausreichen würde. Auch beim tatsächlichen Anblick eines Kondoms schrecken sie eher zurück, als dass sie sich damit auskennen würden.
Nach einigen Gesprächen in unserer Praktikantenrunde haben wir uns gefragt warum sie so schreckhaft Kondomen gegenüber sind. Unsere Vermutung ist, dass sie so etwas einfach noch nie gesehen haben, geschweige den benutzt haben. Woher sollten sie das auch bekommen. Ganz ehrlich, ich hab in ganz Accra noch kein einziges Kondom gesehen das man kaufen könnte.
Du bekommst sie nicht in Apotheken, nicht in westlich orientierten Supermärkten und erst recht nicht bei den diversen Damen die alles Mögliche am Straßenrand verkaufen. Für mich trät dieser Fakt sehr wohl zur hohen AIDS-Quote bei. Zumal sich hier kaum einer trauen würde in ein Krankenhaus zu gehen und nach einem Kondom zu fragen. Sex ist Tabuthema. Und nicht nur Sex auch über Schwule, Lesben und anders orientierte Menschen wird nicht gesprochen und es erst recht nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Ich habe es hier schon öfters erlebt, dass einer der Ghanaer seine Freundin dabei hatte und man erst mitbekommen hat, dass es seine Freundin ist, als sie es einem erzählt hat. Händchen halten sieht man ab und zu mal, meistens bei Jungs da ist das ganz normal aber geschlechterübergreifend ist schon recht selten. Wenn du dann noch ein Pärchen küssen siehst hast du quasi gerade im Lotto gewonnen.
Die Ghanaer sind in dieser Hinsicht sehr konservativ eingestellt, was sicher mit ihrer Religion und ihrem tiefen, meiner Meinung nach manchmal zu übertriebenen Glauben zu tun.
Als mich wundert es nicht, dass AIDS hier sehr verbreitet ist und ja, man muss genau mit der Bildung der Menschen anfangen um ihnen dieses Thema bewusster und vor allem vertrauter zu machen. Danach sollten sie aber Anfangen Kondome anzubieten, sonst bringt auch die ganze Aufklärung nichts.
P.S. die Tatsachen in diesem Bericht stammen von einem Freund, der ein solches Praktikum gemacht hat und aus eigener Erfahrung.
Fazit International Development Congress Nigeria
Wie ich euch schon versprochen hatte kommt hier endlich mein Fazit zum International Development Congress in Nigeria.
Eine Woche lang waren wir damit beschäftigt die Development Traineeships von AIESEC zu verbessern und attraktiver zu machen. So zumindest die Ankündigung denn es kam doch etwas anders.
Die Konferenz verlief etwas chaotischer als man das aus Europa kennt. Zeitpläne und Agendapunkte wurden ohne anzukündigen geändert und alles andere wirkte auch etwas missorganisiert.
Vom angekündigten Programm wurde leider recht wenig behandelt, die Diskussionen waren sehr allgemein und oberflächlich und meine Erwartungen wurden leider gar nicht erfüllt.
Die Konferenz aber auch nicht so schlecht. Wir hatten jede Menge Spaß und konnten Menschen aus den verschiedensten Afrikanischen Ländern treffen und kennen lernen. Das stellte sich für uns als recht interessant heraus, da wir sehr viel über den Kontinent und seine Bewohner lernen konnten. Wer dazu mehr wissen will schreibt einen kurzen Kommentar und ich beantworte dann alles ganz ausführlich. Ihr könnt euch sicher vorstellen dass während einer Woche jede Menge Eindrücke zusammen kommen und es sehr lange dauern würde hier alles nieder zu schreiben. Daher haben wir ein kurzes Video für euch zusammen geschnitten um euch einen kurzen Überblick geben zu können. (ist in Englisch)
Viel Spaß damit.
Link: sevenload.de
Ein paar weitere Bilder gibt es hier>>
Weihnachten und so
In Deutschland fällt der erste Schnee und ruft bei der einen oder anderen Person Heimweh hervor. Aber auch hier in Ghana merkt man ganz langsam, dass es auf das Ende des Jahres zugeht. Die Praktikanten fliegen alle nach Hause da ihr Praktikum zu Ende ist oder sie einfach Weihnachten mit der Familie verbringen wollen.
Für mich wird es entspannter, ich bekomme Besuch aus der Heimat und wir werden zwei Wochen lang Ghana erkunden. Ein bisschen auf Schildkröten und Elefanten suche gehen, den Strand bei knapp über 30 Grad genießen und einfach mal nichts tun. Weihnachten und Silvester werde ich daher das erste und vllt. auch letzte Mal in kurzen Hosen verbringen. Was bei dieser Rundreise alles passiert ist werde ich dann im neuen Jahr berichten.
Ich wünche euch nun erst mal frohe Weihnachten und nen guten Rutsch ins neue Jahr.

