Blogupdate
Ich bin gerade dabei meinem Blog ins Englische zu übersetzen und noch ein paar Erweiterungen einzubauen. Daher kann es in den nächsten Tagen zu kleinen Aussetzern oder Problemen in der Darstellung kommen. Ich habe nämlich noch nicht ganz verstanden, wie die entsprechenden Plugins funktionieren sollen. Das wird sich aber in den nächsten Tagen auch lösen lassen. Danach gibt es das Ganze dann auch für meine internationalen Leser verständlich und in Englisch.
Testlaunch: Ghanas erste Onlinezeitung
Wir sind gerade dabei das Angebot der einzigen Sonntagszeitung in Ghana auszubauen und die Zeitung dadurch interessanter für Leser zu machen. In diesem Zug haben wir beschlossen, die Zeitung auch als PDF-Online-Version herauszubringen, um es den Lesern zu ermöglichen alle News unabhängig von der Internetverbindung und des Ortes überall lesen zu können.
Heute ist es endlich soweit. Die erste offizeille Testausgabe wurde versendet und wir sind gespannt auf das Feedback.
Ich freue mich auch über euer Feedback. Es ist ganz gut, wenn wir die europäische Sichtweise auf diese Zeitung miteinbeziehen können, denn die Zielgruppe beschränkt sich auf Businesspersonen und weiße Geschäftsleute im Land. (meistens Europäer oder Amerikaner)
Eure Einschätzungen bitte in die Kommentare schreiben.
Promotion im Büro
Es gab gerade einen kleinen westlichen Einfluss auf die tägliche Arbeit.
Ein Mini (ganz neu, frisch lackiert und ohne Dellen fuhr vor dem Büro vor. Auf der Ladefläche eine überdimensionale Red-Bull-Dose montiert. Zwei sehr attraktive Damen stiegen aus und brachten eine kleine Erfrischung in Form einer Testdose zu jedem Mitarbeiter.
In der Annahme, dass keiner Red Bull kennen würde, wurde man noch kurz über die Eigenschaften dieses “tollen” Getränks aufgeklärt. Später wurde mit erzählt, dass Red Bull in Ghana eher eine Seltenheit und nicht wirklich bekannt ist. Daher diese Promtion-Aktionen durch alle gängigen ghanaischen Büros.
Mich hat’s gefreut, ich bin wieder wach.
Beförderung und das nach drei Wochen
„Hey Ben, du bekommt ab morgen zwei Schüler. Bring ihnen etwas Ordentliches bei und kümmere dich dann um andere Aufgaben“ Kurze Ansage, große Aufgabe.
Ich muss gestehen, das hat sich alles als schwieriger herausgestellt als ich Anfangs dachte. Fangen wir aber von vorne an.
Ich kam also am Mittwoch in die Redaktion mit dem Wissen, dass es meine vorerst letzte Woche mit Samstagsarbeit sein wird. Hoch motiviert, ausgeschlafen und gut gelaunt ging es dann auch an den Rechner. Das Warten auf Artikel machte überhaupt nichts und wenn es schon länger dauert kann man wenigsten die Olympischen Spiele verfolgen, die den ganzen Tag im TV laufen. Kurz später wurde mir Ben vorgestellt, der ab nun mein Schüler ist. Einer – Cedi – fehlte noch und kommt erst am Donnerstag. Auch geal, denn irgendwie scheint es ein sehr guter Tag zu werden. Es herrscht ein unbekannter Druck mit einer kleinen Spur Leichtigkeit in der Redaktion und es dauert nicht all zu lange bis die ersten 10 Seiten der Zeitung druckfertig sind. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist schon 9 Uhr Abends und es wird Zeit nach Hause zu gehen.
Ich bekommen einen kleinen Anflug von Hoffnung, dass die Deutsche Struktur, die ich seit zwei Wochen einzuführen versuche.
Der nächste Tag allerdings bestätigte mir das Gegenteil und ich lernte mal wieder eine ganz andere Seite der hiesigen Kultur kennen. Ghanaer diskutieren sehr gerne und lange über die unmöglichsten Themen und Begebenheiten.
Wir sind inzwischen zu dritt und die beiden „Schüler“ machen heute alles alleine. Von mir gibt es nur noch Ratschläge bzw. Unterstützung bei Fragen. Das Problem an der Sache ist, dass sie sich selber nicht wirklich einig sind, wie das Design einer Seite aussehen könnte. Und wenn sie mal angefangen haben zu diskutieren hören sie so schnell nicht wieder auf, auch wenn es nur um eine Schriftgröße von 40 oder 44 Punkt geht. In solchen Situationen könnte ich an die Decke gehen, zumal sie sich kurz vorher beschwert hatten, dass sie heute gerne pünktlich um sechs gehen wollten. Daraus wird mit so einer Arbeitseinstellung aber nichts. Dazu kommt noch, dass die Texte, die gestern schon da sein sollten, heute immer noch nicht da sind und wir das Vorhaben „fertige Zeitung“ um 10 abbrechen und drei weitere Seiten in die Druckerei bringen. Hoffentlich wird es am Freitag besser.
Mal wieder zu viel gehofft. Besser ist wohl eine Richtung die hier nicht eingeschlagen wird. Um es kurz zu machen, keine Texte, die beiden neuen Designer blicken es überhaupt nicht und lassen sich leider auch nichts sagen und ich hab einen tierischen Hunger. Samstag ist auch noch ein Tag und wir haben noch 8 Seiten vor uns.
Nun ist es also mal wieder Samstag und ich sitze in der Redaktion. Kleines Rätsel für euch, was mach ich wohl? Richtig, warten. Die beiden Jungs haben sich heute aber immerhin eingekriegt und glauben mir, was die Nutzung des Programms angeht. An dieser Stelle muss ich mal ein Danke an Gogo aussprechen, die mir vor langer langer zeit gezeigt hat, wie man das Programm richtig einsetzt. Quark XPress ist eben doch nicht ganz so einfach, wenn man es noch nie benutzt hat.
Ja, es geht voran und ich sitze immer noch hier, wir haben noch 5 Seiten und die werden einfach nicht fertig. Ich geh jetzt erst mal was Essen und dann schauen wir mal wie lange das heute noch dauert.
Es ist auf jeden Fall eine schöne Beförderung gewesen, denn ich kenne jetzt meine Aufgaben, die ich in der nächsten Woche zu erledigen habe. Es gab auch wieder etwas zu lernen, denn es ist überhaupt nicht einfach Ghanaer etwas beizubringen, von dem sie keine Ahnung haben, es aber nicht zugeben wollen. AISEC sei dank, dort hat man wenigsten die Möglichkeit solche Situationen schon vor einem eventuellen Ernstfall zu simulieren.
So viel für heute.
Das Zeitungsgeschäft in Ghana
Ghanaer lesen in der Regel nicht!
Diese Aussage erst einmal vorweg gestellt, will ich heute über meine derzeitige Arbeit schreiben. Ich bin gerade bei der einzigen Sonntagszeitung in Ghana und dort der Einzige, der weiss, wie man mit einem Layoutprogramm umgeht. Meine Aufgabe ist daher eher etwas langweilig und zeitaufwendig, da die Arbeitsweise der Ghanaer denen der Südamerikaner sehr ähnelt. Sie lassen sich zeit bei allem was sie machen.
Zuerst möchte ich aber ein paar Worte über den generellen Zeitungsmarkt in Ghana verlieren. Wie schon erwähnt, Ghanaer lesen für gewöhnlich gar nicht. Das macht es auch umso schwerer eine Zeitung zu verkaufen.
In diesem Land gibt es ca. 12 Zeitungen die täglich und nur eine, die wöchentlich herausgebracht werden. Die Qualität der einzelnen Zeitungen ähneln sich sehr. Lange und tiefgründige Artikel werden nur von den obersten Schichten der Gesellschaft bevorzugt. Diese bekommen sie dann aus der Amerikanischen oder Englischen Presse. Die Zielgruppe, der Manager und Politiker ist dadurch sehr schnell abgedeckt.
Der Rest möchte auf BILD-Niveau informiert werden. Kurze Artikel, grosse und bunte Bilder reichen völlig aus um das wenige Interesse zu wecken.
Dieses Problem stellt natürlich auch „Sunday World“, die Sonntagszeitung, vor die Frage wie man mehr Leser bekommt. Derzeit sind sie dabei, eine gehobenere Zielgruppe anzusprechen und die Zeitung auf diese Auszurichten. Diese Neuausrichtung bringt wiederum ein weiteres Problem mit sich, das die Arbeitsweise der Zeitung sehr gut beschreibt.
Gute Artikel sind der einzig wahre Grund, der einen dazu veranlasst, eine Zeitung zu verkaufen. Sind die Texte schlecht, leidet er Verkauf.
In der Redaktion sind wir gerade vor das Problem gestellt, dass die beste Autorin ihr Auslandspraktikum beendet hat und wieder nach Südafrika gegangen ist. Neben ihr gibt es noch zwei Weitere, die sich die Arbeit nun teilen müssen. Eine Aufgabe, die schlichtweg unmöglich ist, denn 35 Seiten benötigen eine ganze Menge Artikel.
Ein Lösungsansatz ist schnell gefunden und wird ebenfalls seit einer Weile erfolgreich Praktiziert. Man mimt den Chinesen. Artikel der New York Times, von BBC oder anderen englischsprachigen Newsredaktionen werden einfach kopiert und in die aktuelle Ausgabe eingebracht. So füllt sich das Blatt mit kurzen, qualitativ guten und englischen Artikeln. Das Problem der wenigen Redakteure ist gelöst.
Kopieren ist auch in einem anderen Bereich sehr angesagt. Bilder, ohne Bilder geht überhaupt nichts. Es gibt genau einen Fotografen, der auf allen lokalen Terminen unterwegs ist. Seine Bilder sind gut und erfüllen die technischen Voraussetzungen um gedruckt zu werden. Aber was macht man jetzt, wenn man gerne ein Bild der Olympiade drucken möchte? Ein klick und Google spuckt in der Regel das passende Bild aus. Die Qualität lässt zu wünschen übrig aber immerhin gibt es ein passendes Foto.
In Deutschland würde man jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die Frage nach dem Copyright stellen. An so etwas wird hier bei den Fotos gar nicht gedacht. Die Artikel werden gekennzeichnet aber die Fotos komplett vernachlässigt. Es ist ja schließlich „frei“ im Internet verfügbar, warum sollte man das dann erwähnen, woher die Fotos stammen.
Man kann also sagen, die Zeitung ist zu 90 Prozent kopiert.
Ein weiteres und letztes Problem das die Zeitung mit sich bringt ist die Tatsache, dass es eine Sonntagszeitung ist. In Deutschland sollte das kein grosses Hindernis darstellen.
Hier muss man aber mehr auf die Kultur des Landes achten um zu verstehen, warum das so ist. Der Sonntag ist der heilige Tage. Jeder geht in die Kirche und verbringt den Tag mit der Familie und Freunden. Es wird sehr viel gemeinsam unternommen. Gearbeitet wird in der Regel nicht. Sonntag, ist wie es bei uns früher auch mal war, komplett nur für die Familie vorgesehen. Dadurch geht auch kaum einer auf die Strasse um etwas an den vielen Ständen einzukaufen, geschweige denn um sich über das Geschehen in der Welt zu informieren.
Ihr seht also, diese Zeitung ist kein einfaches Gut. Wir sind aber dabei alles zu optimieren und versuchen die Qualität der Inhalte zu steigern und die Distribution zu verbessern.
Darüber aber mehr in einem nächsten Bericht, wenn das Projekt weiter vorangeschritten ist.
Hier >> gibt es noch ein paar Bilder aus der Redaktion. Wie ihr seht ist dort immer etwas mehr los. Leute kommen und gehen, zwei Fernseher laufen auf voller Lautstärke und ein Radio beschallt einen den ganzen Tag. Die Stimmung ist dagegen immer super und es wird ständig gelacht, Späße gemacht und der Tag genossen.
Und wen es wirklich interessiert, wie meine Arbeit als Endprodukt aussieht, kann sich hier >> die neuste Ausgabe der “Sunday World” als PDF herunterladen.
Warum sollte man es auch anders machen, wenn Ghanaer eh nicht lesen?
