Was sollte man in der Universität wirklich lernen?
Ich habe gerade ein interessantes Beispiel erfahren, dass mich darüber nachdenken lässt, wie man die Deutsche Bildung Einschätzen sollte und was man Universitäten wirklich lernen müsste.
Die Unis verschreiben sich dem Ruf der Wissenschaftlichkeit. Alles wird bis auf das letzte Fünkchen ausdiskutiert und analysiert. Aber ist es wirklich so wichtig, dass man als Student, der in der Regel auf einen Arbeitsalltag vorbereitet werden soll, diese Art und Weise des Arbeitens bis zur Perfektion lernt? Ist es nicht wichtiger zu wissen, wie man das erlernte Wissen in die Praxis umsetzt?
Natürlich werden jetzt einige sagen, wir haben doch Fachhochschulen, die so etwas übernehmen, Studenten, die der Theorie nicht sonderlich zugeneigt sind, sollen doch dort studieren.
Der Aussage stimme ich auch erst einmal zu, nur muss ich auch annehmen, dass die etlichen Universitätsstudenten in Deutschland sicher nicht alle in die Wissenschaft gehen werden.
Zwei meiner Arbeitskollegen haben vor wenigen Monaten ihren Master in Marketing erfolgreich abgeschlossen und sind befinden sich in den ersten Monaten ihres Berufslebens. Derzeit sitzen wir an einem Projekt, bei dem es darum geht, eine Sonntagszeitung neu aufzubauen und durch das Medium Online zu erweitern. Unterm Strich soll die Zeitung natürlich Gewinn abwerfen und wir müssen Anzeigen verkaufen um alles finanzieren zu können.
Die Projektleitung bekam einer der Beiden und er macht seine Arbeit, gut, mit viel Motivation, Enthusiasmus und zuverlässig. Soweit so gut, nur tritt hier auch schon ein kleineres Problem auf. Er hat leider keine Ahnung, wie man ein Projekt komplett aufzieht und leitet. Für ihn steht das Projektziel im Vordergrund – Anzeigen verkaufen. Dieses Ziel verfolgt er vehement und mit neuen Ideen, die in Ghana noch nicht wirklich realisiert wurden. Es wird eine PDF-Online-Ausgabe der Zeitung geben, die Website wird aufgewertet und die Zeitung soll inhaltlich eine neue Struktur bekommen. All diese Punkte werden den heimischen Unternehmen verkauft um Anzeigen generieren zu können. Funktioniert auch ganz gut.
Jetzt kommt sein kleines Problem vom Projektmanagement wieder. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Verkaufen von Anzeigen. Nur dass das nicht alles ist, wurde bis jetzt noch nicht realisiert. Es gibt zum Einen das Problem, dass die Menschen hier kaum Zeitung lesen und zum Anderen, dass das Internet nur zum eMails versenden genutzt wird. Die Bandbreite ist einfach zu klein. Eine Zeitung und die dazugehörige Onlineausgabe produzieren sich auch nicht von alle, es braucht Designer, Redakteure, Lektoren, usw. Derzeit ist ein Grundstock an Personal vorhanden, die mit der Printausgabe aber völlig überfordert sind. Fazit: Wir brauchen mehr Personen, die für das Projekt arbeiten.
Die Distribution der PDF-Ausgabe ist ebenfalls nicht so einfach. Seine Idee, die Zeitung als Anhang in einer eMail zu verschicken ist meiner Meinung nach nicht realisierbar, da nicht jeder die Muße hat, 3 MB in 15 Minuten herunter zu laden um dann nur ein Drittel der Artikel zu lesen, die ihn auch wirklich interessieren, wo er sie doch auch an anderer Stelle bekommen kann. Hier muss ebenfalls eine neue Lösung her. Zu guter Letzt, wo bekommt man die eMail-Adressen der Kunden her?
Es ist leider nicht immer alles so einfach, wie man sich das im ersten Moment vorstellt. Auch ich hab das schon erfahren dürfen, allerdings in der Universität. Hier nun wieder zurück zum Thema
Ist es nicht vernünftig oder besser, einen praktischeren Teil in die Ausbildung an Universitäten einzuführen, um genau diese Weitsichtigkeit zu bekommen, die man im späteren Berufsleben benötigt.
Ich bin schwer dafür, denn Studenten blauäugig in die Wirtschaft zu entlassen ist für Selbige frustrierend und für das Unternehmen nicht unbedingt wirtschaftlich.
Was soll man also wirklich lernen?