Konferenzen und ihre Netzwerke

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Enthusiasmus und Begeisterung in so manches Projekt von Studenten gesteckt wird. Und da soll es noch mal heißen die Studenten würde sich nicht für ehrenamtliche Tätigkeiten neben dem Studium interessieren.

In den letzten beiden Wochen war ich auf zwei AIESEC Konferenzen. Einmal als Trainer eines Marketing-Workshops und einmal als Chair (Konferenz-Moderator). Bei diesen Konferenzen ging es darum, neue Mitglieder in die komplexen Strukturen AIESECs einzuführen und ihnen eine erste Orientierung zu geben. Ebenfalls wurden sie dazu motiviert sich über einen Bereich weiter zu informieren, in dem sie später arbeiten wollen.

Die Motivation der Teilnehmer war auf beiden Konferenzen atemberaubend. Sie haben trotz langer Partynächte morgens um 8 im Plenary gesessen und mitgemacht. Für mich ist das immer ein toller Anblick, denn man weiss, dass diese Leute hinter der Idee von AIESEC stehen, obwohl sie sie noch nicht einmal richtig mitbekommen haben.

Ein etwas anderer Aspekt, der wiederum erschreckend ist oder aber auch zeigt, dass viele Studenten noch in ihrer gut behütetend Kinderstube sitzen, ist der des Networkings. Auf der Konferenz in Bielefeld haben wir das zum Hauptthema gemacht und wollten mit den Teilnehmer unsere Erfahrungen aus 3 Jahren AIESEC teilen und sie dazu aufmuntern ihr eigens Netzwerk aufzubauen. Jeder Geschäftsmann wird mir zustimmen, dass es heutzutage unerlässlich ist keine Kontakte zu haben.

Ein schönes Beispiel sollte dazu beitragen, den Teilnehmer die Augen zu öffnen. Als ich im Sommer 2007 in Venezuela war und kein Wort Spanisch konnte wurde ich von einer Studentin – Ananda – betreut und durch die Stadt geführt. Sie hat mir meinen drei monatigen Aufenthalt sehr vereinfacht und mir bei allen Angelegenheiten geholfen die zu regeln waren. Als ich Venezuela verlassen habe, dachte ich mir, ich werde die Menschen die ich dort getroffen habe und meine Freunde geworden sind, so schnell nicht wieder sehen werde. Das hat sich aber in Bielefeld ganz schnell geändert. Ananda macht inzwischen ihr Praktikum in Minden und war ebenfalls auf der Konferenz. Das bewiest natürlich, dass die Welt sehr klein ist und man sich immer mal wieder über den Weg läuft. Ich werde ihr in Deutschland helfen sollte sie ein Problem haben oder etwas anderes außer Bielefeld und Minden sehen wollen. Ein Geben und Nehmen.

In der Businesswelt läuft es vom Grundprinzip nicht anders ab. Man kennt Menschen, die einem helfen können und denen hilft man irgendwann auch mal wieder. Um diese Menschen allerdings kennen zu lernen, muss man auch etwas dafür tun – mit ihnen reden und offen sein.

Als die Konferenz begann und ich meine Geschichte zum Thema Networking erzählt habe wurde ich mich unverständlichen Blicken überhäuft. Am Ende der Konferenz konnte man allerdings sehen, dass bei vielen der Groschen gefallen ist und sie zumindest auf der Konferenz neue Kontakte und evtl. sogar Freunde gefunden haben. Dazu hat ebenfalls beigetragen, dass wird zwei Tage eingeschlossen in einer Schule, im Hochsauerland verbracht haben und es keine Möglichkeit gab zu verschwinden.

Wenn ich allerdings an meine Studienzeit zurückdenke, wo wir monatlich die Chance hatten auf ein Event zugehen, bei dem man die interessantesten Menschen der Branche hat treffen können, habe ich meine Kommilitoninnen nie verstanden, die diese Möglichkeit nicht wahrgenommen haben. Heute bekomme ich einen Anruf von einer ehemaligen Studienkollegin ob ich nicht jemand kennen würde, der ihr bei einem Problem helfen kann. Ich kenne zwar jemanden und werde ihr auch helfen aber ist es nicht besser wenn man diese Person direkt kennt?

Dies ist u.a. ein Grund warum ich so froh war viele neue Gesichter auf den Konferenzen gesehen zu haben. Sie wollen etwas anderes als nur das theoretische Studium mitbekommen. Sie wollen Menschen treffen und neue Dinge Erfahren und das obwohl sie alle auf Bachelor studieren und angeblich keine Zeit mehr haben etwas neben dem Studium ehrenamtlich zu machen.

Schön war es. Vielen Dank an alle, die dabei waren.

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