4 Jahre AIESEC – mein Fazit

4 Jahre AIESEC – mein Fazit

Inzwischen ist es schon etwas über 4 Jahre her, dass ich damals auf XING die Gruppe AIESEC entdeckt und in bei deren Büro in Hamburg angerufen hatte. Ausschlaggebender Grund war, wie bei vielen anderen Studenten, dass ich auch irgendwann ein Praktikum im Ausland machen wollte.

So stand ich also kurze Zeit später in der Uni Hamburg vor dem Büro von AIESEC, der Organisation die mich von da an für eine lange Zeit begleiten sollte. Dass es soweit kommen würde hätte ich mir bei der ersten Begegnung nicht gedacht. Nuno, HipHopper in weiten Klamotten kam überstürzt auf mich zu, klopfte mir auf die Schulter und sagte “Moin, schön dass du da bist – ich bin Nuno, der Präsident hier” – Mein erster Gedanke: “Mein Gott, auf was hast du dich da eingelassen?” Zwei Stunden später war ich adoptiert und wollte eigentlich gar nicht mehr weg. Mit den Menschen, allen voran Nuno, hatte ich eigentlich nichts zu tun, aber irgendwie waren sie sehr überzeugt von ihren Tätigkeiten, dass die Begeisterung auch mich angesteckt hat und ich mehr erfahren wollte. So ging sie los, meine AIESEC Karriere.

Der Einstig in diese doch sehr spezielle Welt wurde mir ziemlich einfach gemacht, da ich sofort auf eine der besten Institutionen mitgeschleppt wurde, die diese Organisation neben dem Praktikum zu bieten hat – eine Konferenz.

Konferenzen – die beste Art sein Netzwerk auszubauen

Konferenzen sind in der Regel immer sehr langweilig, theoretisch, von Anzugträgern überrannt und enden abends an einer Hotelbar. So war es aber nicht. Ein Haufen junger Studenten von den verschiedensten Universitäten treffen sich in einer Jugendherberge und leben das komplette Wochenende nach dem Motto “Work hard, party harder”. Man sitzt zusammen, diskutiert und erarbeitet in kleinen Gruppen neue Marketing-Konzepte, Organisationstechnische Abläufe oder bildet sich in Zeitmanagement weiter. Dabei wird man von ehemaligen Mitgliedern unterstützt, die lebhaft und mit viel Begeisterung aus ihrer Zeit berichten.

Was bringt einem das persönlich neben dem theoretisch erlernten Wissen? Das Kennenlernen der verschiedenen Persönlichkeiten, die sich in und um AIESEC herumtreiben. Das Netzwerk das man hier aufbaut ist u.a. entscheidend für den späteren Verlauf innerhalb der Organisation. Sie helfen einem schnell bei Fragen aus allen studentischen Situationen, egal ob man nur Hilfe bei einem BWL-Problem hat oder Mitstreiter für die Durchführung eines neuen Projektes sucht. Es ist immer jemand zu Stelle und gibt kompetent Antwort bzw. kennt jemanden, der einem weiterhelfen kann.
Dieses Netzwerk beschränkt sich aber nicht nur auf die Stadt oder Region in der man studiert sondern weitet sich mit der Zeit und der Anzahl der internationalen Konferenzbesuche weltweit aus.  So kommt es schnell mal vor, dass sich die Welt wie ein Dorf anfühlt und man sich mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern austauscht.

Der Hauptgrund für den Beitritt war und blieb immer noch das Praktikum im Ausland. 

Auch ich stelle mir die Frage als die Semsterferien vor der Tür standen und alle Kommilitonen und Freunde die Stadt verließen – was soll ich tun. Jetzt arbeitete ich in einer der größten Organisationen dieser Welt und kann deren Potential auch gleich nutzen. So ging es für 3 Monate nach Venezuela um das dortige Leben, die Arbeitsweisen und das Land kennen zu lernen. Ich hatte dort die Chance die Organisation mit aufzubauen und zu gestalten – und alles ohne ein Wort Spanisch sprechen zu können. Aber auch das hatte funktioniert und ich kann freudig über den großen Teich blicken und sehen, dass das Lokalkomitee in Barquisimeto sich inzwischen prächtig entwickelt hat.

Da man als Student nicht nur einmal Semesterferien hat bin ich ein paar Jahre Später für 6 Monate nach Ghana gefahren um dort in einem Medienunternehmen zu arbeiten und deren Arbeitsweise kennen zu lernen. Es war eine großartige aber auch befremdliche Erfahrung. Was so alles passiert ist, hab ich in ausreichend Blogposts niedergeschrieben.

Wie funktioniert das jetzt aber mit dem Praktikum und wo kann ich als Student hingehen?

Das schöne an AIESEC, man muss sich nicht seine Firma im Ausland suchen sondern die finden einen – das setzt aber auch voraus, dass man nicht auf ein bestimmtes Land fixiert sein darf. Nach dem man den Antrag für ein Praktikum abgegeben hat und sich seiner Entscheidung bewusst ist in welchem Bereich (Management, Technical, Educational oder Development) man arbeiten will, wird der eigene Lebenslauf in die weltweite Datenbank gestellt. Von nun an bekommt man Angebot aus der ganzen Welt und man muss sich quasi nur noch das passendste aussuchen – kurze Zeit später kann es dann auch schon los gehen.

Es gibt auch Schattenseiten

Nach vielen positiven und sicher auch werbenden Worten muss ich aber auch erwähnen, dass so eine große Organisation einige Laster mit sich bringt. Mein Paradebeispiel war folgendes: Es gibt eine interne Trainerausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss selbiger kann man auf Konferenz offiziell Workshops geben. Teilnahmevorraussetzung ist allerdings eine leitende Position innerhalb der Organisation. Was bei mir aus Zeitgründen nie funktioniert hat. Trotz viel Engagement, Erfahrungen in leitenden Positionen außerhalb der Organisation und Hartnäckigkeit, war es mir nicht möglich diese Ausbildung zu absolvieren. Das ist meiner Meinung immer noch das größte Manko dieser Organisation:

Lasst die Studenten, die etwas machen wollen, die sich in der Organisation weiterentwickeln und etwas zurück geben wollen, ihren Weg gehen und legt ihnen keine Steine in den Weg. Leider habe ich das Vorgehen auch hier in Österreich schon gesehen und musste feststellen, dass sich zu meiner Zeit in Hamburg auch hier nichts geändert hat – obwohl es groß angekündigt war. Solange es noch so ist, darf man sich (hart gesagt) nicht auf die Fahne schreiben, dass man Studenten weiterbildet und Ihnen einen Platz bietet auf dem man sich weiterentwickelt und verwirklichen darf.

Trotz alldem bereuhe ich die Zeit nicht und würde es sofort wieder machen. Man entwickelt sich nicht nur weiter sondern trifft jede Menge Menschen aus den verschiedensten Ländern dieser Erde, wobei einige zu engen Freunden werden. Als kleiner Anreiz noch ein paar optische Eindrücke aus 4 Jahren AIESEC – Danke, es war eine super Zeit.

[Galerie nicht gefunden]

Stichworte:, , , , ,

2 Antworten zu “4 Jahre AIESEC – mein Fazit”

  1. Manfred 2. Oktober 2011 am 19:34 #

    Das ist ein guter Bericht und schön, dass du auch die negativen Aspekte nicht vergisst. Man muss realistisch bleiben gerade wenn man informieren will.

  2. Nuno 4. Oktober 2011 am 17:21 #

    Moin Ben,

    danke fuer die lieben Worte.
    Ich finde es schoen dass du die Zeit in guter Erinnerung behaellst. Und ich finde es auch schoen dass du die negativen Dinge ansprichst, denn nur so kann die Organisation wachsen und sich verbessern.

    Ich liebe AIESEC, das ist kein Geheimnis. Dennoch hat auch AIESEC Schwaechen – warum? Weil Menschen Schwaechen haben. Es ist nicht “Schuld” der ORganisation oder der Idee, sondern die von Menschen die aufgrunde von etwelchen Gruenden Dinger falsch entscheiden.
    Die Sache mit der Trainerausbildung ist dumm gelaufen. Aber dies ist m.E. bei weitem kein grossen Problem. AIESEC hat andere Schwaechen. VIele andere Schwaechen. Aus Marketing-gruenden, werde ich diese natuerlich nicht alle hier bennen ;-) Aber das egoistische Handeln von Menschen. Das verstossen gegen Prinzipien aus Angst. Oder das manchmal endlose Palaver um vermeindlich “strategische” Themen, nehmen der Organization einen Haufen Durschlagskraft die sie haben koennte.

    Ich haette vermutet, dass jemand mit deinem Intellekt und Erfahrung, wichtigere Schwaechen aufzeigen wuerde als diese Trainersache. ;-) Aber sei es drum. Ben, wenn du das WIRKLICH so wichtig findest, dann gibt es Wege es zu umgehen und zu durchbrechen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in AIESEC schon TtTs fuer Leute gemacht haben die nicht OCP oder EB waren. Und wenn du Menschen wie z.B. Katja Klose kennst, dann weisst du auch ,dass diese offen sind fuer neue Inputs uns Ideen. Also reden mit ihnen. Argumentiere. Lasse nicht locker. Frage andere Menschen um Support – du weisst bei mir laeufst du da immer offene Tueren ein :-)

    Aber, to make a long story short – tut mir leid dass dich das gekraenkt hat und ich danke dir nicht desto weniger sehr fuer dein enormes Engagement und deine Leidenschaft fuer diese Organization!

    Bis bald Digger! ;-)

Hinterlasse deinen Kommentar