Wie erzählt man Geschichten online?

Dieser Frage haben sich Andreas und ich während des Storycamps in Salzburg gestellt. Zusammen mit den anderen Teilnehmern wollte wir herausfinden, welche Tools eingesetzt werden können, um Geschichten spannend und mitreißend zu erzählen.

Ein nicht ganz einfaches Ziel, was wir da vor uns hatten. Bevor wir zum Fazit der Session kommen, möchte ich euch erst einmal ein paar Tools vorstellen, mit denen man Geschichten visualisieren kann.

1. Video

Eine der beliebtesten Medien um Emotionen zu Transportieren. Man kann fast alle Sinne ansprechen und bekommt die volle Aufmerksamkeit des Nutzers. Musik, Sprache und visuelle Eindrücke machen es möglich eine Geschichte in all ihren Facetten und Tiefen zu erzählen – wenn man es beherrscht.

Videoplattformen bieten allerdings auch technische Möglichkeiten um Videos zu langen und erlebbaren Geschichten zusammenzutragen. Manuel Ribis aus Obergurgl hat dies z.B. genutzt, um einen interaktiven Skiplan des Skigebiets zu erstellen. Der Nutzer kann im Video entscheiden, wo er weiter fahren möchte und erkundet so das ganze Skigebiet. Es gibt sicher noch viele andere Beispiele, die diese Technik nutzen, um den Nutzer entscheiden zu lassen, was in der Geschichte passieren soll.

2. Ton

Tonaufnahmen begleiten uns täglich und seit einer gefühlten Ewigkeit. Berühmte Reden wurden auf Tondokumenten mitgeschnitten und spätestens seit dem Radio hatte jeder Zugang zu verbreiteten Nachrichten. Auch Geschichten haben so ihren Weg in viele Häuser gefunden. Ich selbst habe jede Menge Kassetten mit den verschiedensten Geschichten gehabt. Dass Tonaufnahmen auch heute noch ein „must-have“ sind, zeigen die steigenden Absatzzahlen der Hörbücher.

Auch im Netz kann man den Ton sehr gut einsetzen. Am Anfang war der Podcast, über den Geschichten erzählt wurden und welcher sich automatisch bei den einzelnen Zuhörern über einen Feed aktualisiert hat. So wurden immer die neusten Folgen direkt verfügbar gemacht und jeder konnte den Stimmen des Netzes lauschen. Soundcloud und Co haben das Thema Podcast noch etwas weiter getrieben und stellen Audioaufnahmen gesammelt auf einer sozialen Plattform zur Verfügung. In einigen Tests gehen sie sogar weiter und haben ein Tool entwickelt, mit dem man Diashows vertonen kann. Ganz eigene Geschichten entstehen – mit etwas Flair wie bei Opa im verstaubten Dachzimmer bei den Diashows des letzten Urlaubs.

Ein Beispiel hierfür ist die Entstehungsgeschichte von soundcloud, erzählt als Diashow.

3. Bilder

Barack Obama nach der Wahl 2012 auf Twitter
Barack Obama nach der Wahl 2012 auf Twitter

Bilder funktionieren immer. Das merkt man alleine schon daran, dass jedes noch so schlechte Bild auf Facebook mehr Likes bekommt als eine seriöse Textmeldung. Bilderplattformen wie flickr, instagram, etc, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und beweisen die große Sucht der Nutzer nach emotionalen Bildern.

Durch Bilder können ebenfalls Geschichten erzählt werden. Dies kann dadurch geschehen, dass das Bild an sich die Geschichte ist. Eines der derzeit bekanntesten Beispiele ist das Bild, welches Obama nach seiner Wiederwahl auf Twitter veröffentlicht hat.

Dass es aber auch mit vielen Bildern funktioniert, zeigt das Springfield Hotel in England. Es zeigt seinen Gästen das aktuelle Menü auf Pinterest. Hierbei werden aber nicht einfache Bilder der jeweiligen Gerichte veröffentlicht, sondern die Zutaten und alle benötigten Dinge die es braucht um das Gericht zu erstellen.

4. Schrift

Gutenberg hat sie schon genutzt um die Bibel zu verbreiten – aber das ist jetzt etwas weit hergeholt. Die Schrift ist im Internet unerlässlich. Es gibt so gut wie keine Webseite die ohne Text auskommt, keine Werbung, die nur auf die Bildern beruht und jede Beschreibung und Erzählung kann durch geschriebene Worte weitergegeben werden.

Eine einfache Möglichkeit Geschichten zu erzählen ist ein Blog. Hierbei werden Berichte in chronologischer Reihenfolge niedergeschrieben und jeder den es interessiert kann sie lesen. Ein schönes Beispiel aus dem Tourismus ist der Blog der Schick Hotels in Wien, die ihre Leser regelmäßig in die verschiedenen Welten Wiens entführen.

5. Grafiken

The Story of Jess & Russ
The Story of Jess & Russ

Nach dem Wir Ton, Video und normalen Text hatten fehlen jetzt nur noch Grafiken um Geschichten zu erzählen. Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten. Die einfachen Strichzeichnungen, wie die Story vom „Stickman“ oder aber auch durch sehr komplexe Webseiten. Ein Beispiel hierfür ist die Webseite von „Jess & Russ“ die auf der Webseite ihre Lebensgeschichte bis hin zur Hochzeit erzählen.

Eine weitere Möglichkeit Geschichten zu visualisieren sind Infografiken. Diese Art der Darstellung hat sich in den letzten Jahren sehr stark etabliert und verbreitet sich immer mehr. Über Infografiken kann man komplexe Zusammenhänge sehr einfach erklären. Dass dies gut funktioniert, zeigen Blogs, die sich nur mit dem Thema beschäftigen oder ausführliche Sammlungen auf Pinterest.

und jetzt?

Man kann sich jetzt natürlich nur an einem Medium festhalten oder alle miteinander verbinden und den Nutzer dort abholen, wo er sich gerade befindet und auf die jeweilige Geschichte aufmerksam werden könnte. So verbindet man verschiedene Medien in einem Erzählstrang und kann komplexere Erlebnisse schaffen. Die Kür ist es dann natürlich alles auf einer Plattform/Webseite/Blog zu vereinen, um das größtmögliche Erlebnis für den Nutzer zu schaffen.

Wie bereits geschrieben haben wir versucht über die Technik zu sprechen, sind in der Session aber schnell vom ursprünglichen Thema abgewichen. Dies lag nicht zuletzt an diesem Video:

Die Einen finden es eine sehr gelungene Darstellung einer Geschichte, die anderen sagen es sei nur eine Aneinanderreihung von Bildern, die durch eine Figur ohne jeglichen Spannungsbogen verbunden werden. Man kann das sehen, wie man möchte, denn schon im Fazit zum Camp hat sich herausgestellt, dass jeder unter einer Geschichte etwas anderes versteht.

Erwiesen ist aber, dass Geschichten mit einem klaren Spannungsbogen Menschen eher fesseln und in ihren Bann reißen als Geschichten, die nur so lapidar dahererzählt werden. Solche fesselnden Geschichten zu erzählen ist aber nicht einfach und kann sicher auch nicht jeder. Daher sei jedem dieses Video des TED talks vom März 2012 ans Herz gelegt sein, darin berichtet der Macher von Toy-Story & WALL-E – Andrew Stanton – über die Kunst und Technik des Geschichtenerzählens und wie man es schafft, seine Zuhörer/-seher zu begeistern und zu fesseln.

Leider gibt es in der Werbung und Kommunikation viel zu wenig sehr gute Beispiele, die diese Technik beherrschen. Wenn euch eines bekannt ist, freu ich mich über einen Hinweis.

5 Gedanken zu „Wie erzählt man Geschichten online?“

  1. „Die Kür ist es dann natürlich alles auf einer Plattform/Webseite/Blog zu vereinen, um das größtmögliche Erlebnis für den Nutzer zu schaffen.“ – Die Antwort ist doch ganz einfach, Benjamin: Video + Ton + Bilder + Schrift + Grafiken (Maps) + Embed + SEO = Storify.

    Siehe zum Beispiel #ThailandLive und #KambodschaLive auf http://www.travellive.cc/reisereportagen/thailandlive-kambodschalive.

    … wirklich schade, dass ich wegen des ReiseSalons nicht am StoryCamp teilnehmen konnte!

    1. Hallo Günter, Danke, Storify ist schon ein guter Ansatz und sollte auf jeden Fall nicht vergessen werden. ich würde allerdings gerne noch einen Schritt weiter gehen und alles auf einer eigenen Seite darstellen. Ich hab leider noch kein Beispiel gefunden, dass meinen Vorstellungen entspricht. Wenn ich Storify einsetzte liegen die Daten ja wieder bei einer Plattform, die theoretisch abgeschalten werden kann. Auch sit man in der Darstellung nicht mehr so frei wie man es evtl. braucht – siehe die Darstellung beu Jess & Russ oder auch diese hier: http://paiko.de/

      1. Hallo Benjamin,
        Der Link zu paiko.de ist wirklich sehenswert – toll umgesetzt. Ich gehe nur davon aus, dass es auch für den Durchschnitts-User, der keine Ahnung vom Codieren hat, möglich sein sollte, Geschichten relativ schnell und leicht fasslich umzusetzen. Dazu eignen sich Plattformen wie Storify natürlich am besten – auch in klassischen Medien (derstandard.at) wird das mittlerweile bereits eingesetzt.
        Womit ich dir absolut Recht gebe, ist das grundsätzliche Unbehagen, dass diese Daten nicht bei dir liegen. Mir ist es selbst schon so gegangen, dass meine erste Wahl als Content Curator (Keepstream) aufgekauft wurde und den operativen Betrieb eingestellt hat. Allerdings bleiben die dort angelegten Geschichten weiterhin erreichbar (und ranken in Google immer noch sensationell).
        Darum ist es umso wichtiger, eine Plattform zu wählen, die (in gewissem Sinne) „too big to fail“ ist. Habe das auch – trotz oder gerade wegen meiner anfänglichen Sympathie für Keepstream – lernen müssen. Was wiederum einen Vorteil in der Sichtbarkeit bringt: Auch Storify-Geschichten ranken auf Google sehr weit oben.
        Fazit: 99,9+ Prozent der User werden so eine Form des Storytelling wie paiko.de nicht umsetzen können. Und für die gibt es gkücklicherweise Alternativen.

        1. Da stimmt schon, dass das eine Deluxe-Lösung ist. Viele Unternehmen nehmen allerdings viel Geld in die Hand um ihre Inhalte zu kreieren und stellen diese dann eher schlecht dar. Daher wünsche ich mir öfters eine kreative und ordentliche Umsetzung.

          Ich bin aber auch deiner Meinung, dass ein Großteil der Nutzer keine Ahnung hat wie man so etwas macht und daher auf solche Tools zurückgreift. Ich selbst schließe mich da ebenfalls ein. Daher ist es ja auch gut, dass diese Tools zur Verfügung stehen. Die Wahl der Plattform, wie du schon richtig anmerkst, nicht ganz unwichtig. Wobei ich persönlich darauf achte dass man die Daten einfach in den eigenen Blog einbauen kann ohne irgendwohin verlinken zu müssen – ich möchte die Leser schließlich bei mir behalten 😉

  2. Agree, Benjamin! Darum ist es ja auch wichtig, dass Storify sowohl den Embed per Script wie auch in kompletten, SEO tauglichen Divs anbietet. So habe ich alles auf meiner Website (bzw. im Fall von #TravelLive auch auf anderen Websites).
    Was ich mir jetzt noch wünschen würde, wäre eine Modifikation der Stilvorlagen, so wie es bei RebelMouse möglich ist (s. mein Social Media Dashboard auf http://www.guenterexel.com/g%C3%BCnter-exel/social-media-dashboard/)

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